Sandra Weiland: Monolog des Steins

Mal kalt, mal warm
so lieg ich da
am feinen Strand
von Sylt,
halb im Wasser
halb an Land.

Da reibt es an mir,
da treibt es um mich,
da fallen alle Wellen über mir zusammen.
Da werde ich umschwappt,
umworben gar,
da brennt die Sonne ach so heiß.
So lechze ich dem Nass,
mit all seiner Kühlung entgegen.
Bei Mond beschienen
und bei klarer kalter Winternacht,
ist es das Wasser,
das mich eisig macht.

So spüre ich immer mehr die Einsamkeit ,
Jahr um Jahr .
Kleiner geworden dabei,
und härter
und traurig – ach so traurig gar.
Die Unfähigkeit spüre ich
mein Dasein zu verändern,
zu beeinflussen.
Schmerzen wie feine Nadelstiche,
ärgern mich bei Tag und Nacht.

hundert Jahre,
tausend Jahre
abertausend Jahre lang.
Die sanften Wellen des Lebens
schwappen über
Sanft–?
Nein hart kommen sie mir vor.
Schleifen meine Ecken , meine Kanten ab.
Bringen mich in eine Form,
die ich nicht selbst bestimmen kann.
Ohnmächtig, machtlos bin ich .

Da laufen Menschen vorbei ,
nehmen mich in die Hand,
werfen mich weit in das Wasser hinein,
mit dem Denken, daß ich nicht fühle.
Wenn sie wüssten wie ich fühle-.
jedes mal, so klar das Ausgeliefertsein.

Nimmt ein kleines Kind mich an der Hand ,
trägt mich in den trockenen Sand.
So wandere ich bis in die Hosentasche,
entdecke mit großem Erstaunen,
es gibt noch eine andere Welt ,

jenseits des Wassers gar.

Werde getrocknet und
Beäugt
In Koffern verstaut
wandere ich mit nach Haus.
Der Mutter geschenkt
zum Muttertag.
Schau Mutter-
Ein Stein wie ein Herz ruft
eine Kinderstimme gar.

Gelegt auf das Küchenregal,
beginnt ein anderes Leben,
von dem ich nicht hätte zu träumen gewagt.
Da wird nichts mehr abgespült von mir,
noch werde ich ziellos ins Meer geworfen.
Da liege ich trocken ,
Jahr für Jahr
auf dem Küchenregal
In Sicherheit,
bleibe wie ich bin,
ein Stein wie ein Herz.

Nur dann und wann,
nimmt mich eine Hand.
Weißt du noch Mutter,
diesen Stein ?
wie ich ihn fand,
vor langer Zeit auf Sylt am Strand ?

Das war der Tag
an dem ich ein glückliches Zuhause fand.

Sandra Weiland
-Alle Rechte liegen bei der Autorin-

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