Lea-Lina Oppermann: Was wir dachten, was wir taten


Die Autorin Lea-Lina Oppermann ist – wenn überhaupt – gerade nur etwa eine Handvoll Jahre älter als ihre Leser. Mit 19 Jahren legt sie ihr Debüt über einen Amoklauf an einer Schule unter dem Titel „Was wir dachten, was wir taten“ vor. Eine maskierte Person dringt ins Klassenzimmer ein. Außer ihrer Pistole hat sie 10 Briefe dabei, die mit „Meine letzten Wünsche“ überschrieben sind und die de die Klasse erfüllen muss. Mit den Briefen wird klar, dass der Unbekannte die Klasse sehr gut kennen muss, auch wenn die drei abwechselnden Erzähler – der Lehrer Herr Filler, und die Schüler Mark und Fiona – keine Vermutung haben, wer er sein könnte Jeder Brief zerrt, die Geheimnisse der Jugendlichen an die Oberfläche. Arroganz, Diebstähle, Mitläufertum, Lügen – hinter sorgsam gepflegten Fassaden tun sich persönliche Abgründe auf. Das ist auch eine der besonderen Leistungen des Romans: die Enttarnung von absurder Alltäglichkeit. Während einige Wünsche auf den ersten Blick „Harmloses“ vermuten lassen und andere brutal erscheinen, so steht der harmlose Wunsch am Ende dem brutalen in nichts nach. Von daher ist dieses Buch auch mehr als die Geschichte eines Amoklaufs.
Die Geschichte wird abwechselnd aus verschiedenen Perspektiven erzählt, auch wenn der Erzählton der Figuren etwas unglaubwürdig gleich bleibt. Keiner reflektiert dieselbe Situation, sondern jeder setzt den Bericht seines Vorgängers fort, so dass „Wiederholungen vermieden werden und sich Spannung aufbaut. Die Erzählerin Fiona ringt fassungslos mit ihrer Handlungsunfähigkeit, Mark verspürt Genugtuung und Herr Filler schwankt zwischen Aggression und Passivität. Als sie den Angreifer enttarnen, sind die Grenzen der Normalität so weit überschritten, dass es für niemanden mehr ein Zurück gibt.
Lea-Lina Oppermann kam die Idee zu ihrem Buch, als sie selbst einen – glücklicherweise Fehlalarm an ihrer Schule erlebte. In einem Interview berichtet sie, dass sie beim Schreiben auch an ihren kleinen Bruder gedacht hat, der zwar Geschichten liebt, aber dadurch bisher nicht zum Leser wurde. Vielleicht ist gerade dadurch ein für Jugendliche besonders erfreulich kurzer Roman von 177 Seiten entstanden.
Lea-Lina Oppermann: „Was wir dachten, was wir taten“ ist im Verlag Beltz & Gelberg für 12,95 Euro erschienen.

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