Martin Baltscheit: Die besseren Wälder

Das ist ein Buch, das sich jeder Einordnung entzieht. Ein Buch, das immer wieder eine neue Wendung macht. Ein Buch, das einem den Atem nimmt. Angesiedelt ist es in einem Zwischenreich zwischen Menschsein und Tierwelt. Es handelt von einer geteilten Welt, doch ein Schelm, wer dabei an die Mauer denkt, auch wenn es gar nicht so weit hergeholt ist.

Eine Wolfsfamilie, mit durchaus erkennbar menschlichen Zügen, entschließt sich die Flucht zu wagen über die Zäune, auf die Seite, wo die Wälder besser sind. Der Vater und die Mutter kommen dabei ums Leben, das Wolfsjunge fällt einer Schafsfamilie vor die Füße. Die Schafsfamilie hat sich lange schon ein Kind gewünscht und so zieht sie Ferdinand auf die ein Schaf. Das geht so weit, dass Ferdinand vor dem Kardinal das „Schafe Maria“ singen darf, und er singt es wie keiner sonst. Schon beim Schafe Maria wartet der Leser auf die unvermeidliche Katastrophe. Sie bleibt aus. Ebenso bei der großen Schafsschur. Und Ferdinand verliebt sich auch noch in die verrückte Melanie, die für die Wolle ganz neue Farben erfinden will. Als es schöner nicht sein kann, hat Ferdinand einen Filmriss und wacht neben der toten Melanie auf. Hat er sie getötet? Ihm bleibt nichts anderes übrig als zu den Wölfen zu fliehen, wenn er nicht verurteilt werden will. Doch auch da stellt sich ihm die Frage, wer er eigentlich ist und wo er hin will.

Inzwischen ist der illustrierte Roman von 2013 auf unzähligen Jugendbühnen aufgeführt worden. Und es täte Not, ihn gerade nach der Flüchtlingskrise einmal mehr aufzuführen. Denn sie alle fragen sich auch, wer sie sind, wohin sie gehen und wie eine Integration gelingen soll. Martin Baltscheit hat für diese Fragen wunderbare Bilder gefunden, die die keine einfachen Antworten vorgeben. Ein Roman, der nachwirkt. Am Schluss kommen alle Beteiligten nochmal zu Wort und geben ihren Eindruck wieder. Hier zeigt sich, dass jeder seine eigene Wahrheit hat und es die Aufgabe der Politik wäre, all diesen Wahrheiten Raum zu geben. Doch damit wäre sie wohl überfordert. Das kann wohl nur die Kunst.

„Die besseren Wälder“ ist bei Beltz & Gelberg erschienen und hat kein so großes Echo ausgelöst, wie der Roman es wohl verdient hatte. Vielleicht war seine Zeit noch nicht gekommen. Vielleicht hätte es kein Mord sein dürfen, der die Fragen verschärft stellt. Am Ende bleibt der Leser nachdenklich zurück und das ist wohl das Beste, was ein Buch leisten kann. „Die besseren Wälder“ von Martin Baltscheit ist für 10,00 Euro überall im Buchhandel erhältlich.

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