Clive Wynne: …und wenn es doch Liebe ist? Neues zur Mensch-Hund-Beziehung

Seit 15.000 Jahren ist der Hund engster Vertrauter des Menschen, enger als es die Katze und das Pferd es je geschafft haben. Doch woran liegt das? Daran dass er dank seiner Nase vermisste Menschen wiederfindet? Daran dass er sich im Schutzdienst heldenhaft vor seinen Hundeführer stellt oder daran dass er seit neustem den stotterten Leseversuchen der Erstklässler geduldig zuhört? Ist nur der Hund wirklich so intelligent, dass er mittels Zuchtauswahl zu mehr Leistungen in der Lage ist als jedes andere Tier?

Nein, sagt der Tierverhaltensforscher Clive Wynne, dessen Interesse mehr und mehr den Interaktionen von Mensch und Hund gilt. Der Hund ist, richtig aufgezogen, ein zutiefst soziales Tier. Er geht wie einige seiner Kollegen so weit, dass er ein Gefühl zu erforschen sucht, das jahreslang in der Tier-Biologie verpönt war: die Liebe.

Clive Wynne mischt das eigene Erleben vor allem mit seinem Hund aus dem Tierheim Xephos, der wahrlich keine Leuchte ist, mit Beobachtungen von Kollegen und Studien aus aller Welt. Er möchte nicht abstreiten, dass Hunde zu erstaunlichen Intelligenzleistungen fähig sind, aber was die Beziehung zwischen Mensch und Hund ausmacht, ist eine einzigartigen Lovestory, die die herausragende Anpassungsleistung des Hundes erst möglich gemacht hat.

Der Verhaltensforscher erläutert in dem Buch aus dem Kynos-Verlag seine ersten Fragestellungen, er beschreibt seine eigenen Versuche und deren Korrektur im Versuchsaufbau und er scheint um die halbe Welt gereist zu sein, um Hunde zu beobachten wie Straßenhunde in Moskau oder Herdenschutzhunde in Arizona. Das Ergebnis präsentiert er beinahe im Plauderton, zu dem man die eigenen Erlebnisse mit seinem Hund nur zu gern beitragen möchte. Das erlebt Wynne auch auf seinen Vorträgen. Zugegeben, manchmal gerät der sympathische Verhaltensforscher zu stark ins Plaudern, und das Buch hat seine Längen. Aber das nimmt man gern dafür in Kauf, wenn man liest, worum es dem Biologen geht: Das Verhältnis zwischen Hund und Mensch zu verbessern, dort wo es noch hakt. Das sind z.B. zu harte Trainingsmethoden oder die Tötungsstationen, die ihre Berechtigung damit begründen, dass nur durch sie die Zahl der Straßenhunde verringern lässt.

„…und wenn es doch Liebe ist“ ist im Frühjahrsprogramm des Kynos-Verlags für 24,95 EURO erschienen.

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