Cornelia Poser: Monolog eines Steins

Wirf mich weg!
Deine Hand so warm,
mir wird übel.
Deine Hand so trocken,
ich ersticke.
Deine Finger so beweglich,
mir wird schwindelig.

Ich fühle mich hart an,
deshalb denkst du, es macht mir nichts aus?
Du denkst, du kannst auf mir herumkratzen??
Du denkst, ein Stein hat keine Gefühle, ja???
Das denkst du doch, gib es zu!

Schade.
Du bist wie alle anderen.
Ich bin enttäuscht.

Dabei dachte ich zuerst, du seiest etwas Besonderes.
Ich sah dich schon von weitem
klein am Horizont.

Ich hörte das Knirschen des Sandes
unter deinen Füßen.
So anders klang es, als das der anderen Strandläufer.

Und ich
so aufgeregt.
Hatte Sehnsucht danach
von dir aufgehoben und getragen zu werden.
Das muss die Liebe sein
dachte ich.

Ich tat alles um dir zu gefallen:
Die Abendsonne gab mir ein rosiges Kleid.
Die salzigen Wellen verliehen mir schillernden Glanz.
Die anderen Steine hielten gebührenden Abstand zu mir.

Und plötzlich standest du über mir,
ganz nah.
Deine blanken Augen ruhten auf mir.
Ich erzitterte.

Da –
ein luftiges Heben
und ich lag in deiner Hand.

Blackout.
Das kann passieren
wenn es einen so erwischt,
wie mich.

Allerdings:
Jetzt bin ich wieder Herr meiner Sinne.
Vollkommen!
Und du bist schuld daran!
Au, du tust mir weh!

Ich hatte mir
das Zusammensein mit dir
wirklich anders vorgestellt!

Ich brauche den Wind.
Ich brauche das Wasser um mich.
Ich brauche Ruhe.

Und
ich halte das Gekratze
deiner rastlosen Finger nicht aus!

Versteh mich nicht falsch,
ich liebe dich,
aber fass mich nicht SO an!

Wirf mich weg!
.
.
.
.
Danke

Cornelia Poser
-Alle Rechte liegen bei der Autorin-

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