Susanne Abel: Stay away from Gretchen – Eine unmögliche Liebe

Susanne Abel hat ein Buch geschrieben, dessen Thematiken und lebendiger Schreibstil mich von der ersten Seite an gefesselt haben. Das Buch spielt auf zwei Handlungsebenen, die immer wieder auf die eine oder andere Art geschickt miteinander verknüpft werden. Das ist zum einen die Ebene, die in der Gegenwart 2015/16 spielt, und in der der etwa 45jährige erfolgreiche Nachrichtensprecher Tom in der Flüchtlingskrise von Termin zu Termin hetzt und plötzlich mit der beginnenden Demenz seiner Mutter konfrontiert wird. Die andere Ebene ist die Geschichte der Mutter während und nach dem 2. Weltkrieg. Sie musste selbst erleben wie es ist, Flüchtling zu sein, wie stark man vom Wohlwollen der Mitbürger und Ämter abhängig ist und wie schwer es ist, sich eine neue Existenz aufzubauen. In dieser Zeit lernt sie den jungen GI Bob kennen und verliebt sich schließlich in ihn. Sie wird schließlich schwanger, und Bob reist nach Amerika, um die für die Hochzeit notwendigen Unterlagen zu holen. Er kehrt nicht zurück und Gretas Kind wird von der eigenen Familie und der Gesellschaft abgelehnt. Es ist ein sogenanntes „Brown Baby“. Es kommt gegen den Willen von Greta in ein Kinderheim und wird sogar nach Amerika zur Adoption vermittelt. Tom deckt mehr zufällig auf, dass er eine Schwester hat und kann plötzlich die Depressionen, die seine Mutter jahrelang hatte, verstehen. Er macht sich auf die Suche nach seiner Schwester.

Zwangsadoptionen sind eigentlich ein Kapitel, das man nur aus der DDR-Geschichte kennt. Aber auch die Bundesrepublik hat so ihre schwarzen Seiten. Dazu gehört eindeutig der Umgang mit den Westalliierten, vor allem wenn es Farbige waren. Gretas Sohn Tom profitiert zwar noch von der Aufdeckung des „Familiengeheimnisses“, aber für Greta, als eigentlich Betroffene kommt die Klarheit fast zu spät.

Susanne Abels Roman wirkt vor allem durch ihre hintergründige Figurengestaltung. Dabei ist ihr die energische Greta gut gelungen, aber auch ihr Sohn Tom, der in eine Krise gerät und sich wandelt, lässt den Leser nicht kalt. Mit Demenzerkrankungen der Elterngeneration sind wir Kinder um die Fünfzig immer mehr konfrontiert. Auch das macht das Buch so interessant. Bleibt zu hoffen, dass der reichhaltige Roman bald verfilmt wird, denn er berichtet über wenig bekannte Geschehnisse der Nachkriegszeit.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

drei × vier =