Karina Strauss-Stolz: Migo, der Pirat

Hier ist jemand mit Spaß bei der Leseförderung von LRS- und Legastheniekindern. Es ist jemand, der weiß, wie sehr die Schwäche Heranwachsende belasten kann, Selbstzweifel hervorruft und Entwicklung behindert, denn die Autorin, Karina Strauss-Stolz hat selbst als Kind mit der Rechtschreibung zu kämpfen gehabt. Das verstellte ihr aber glücklicherweise nicht den Weg Psychologie, Pädagogik, Publizistik und Kommunikationswissenschaften zu studieren. Nach der Arbeit als Chefredakteurin in einem Verlag, eröffnete sie 2008 eine eigene lerntherapeutische Praxis. Eines ihrer Lebensmotto ist: think it, dream it, do it. Und so blieb es nicht nur bei einer Praxis, in der sie vorhandene Material anderer nutzte, sondern sie entwickelte selbst ein überaus umfangreiches und gut strukturiertes Programm zum Training der Rechtschreibung: „Migo, der Pirat“. Es wurde bereits mit dem in der Branche sehr begehrten Dyslexia-Award ausgezeichnet.

Grundlage für die Arbeit mit diesem Material ist wie auch bei anderen Materialien eine genaue Fehleranalyse, für die sie auch einen Analysebogen entwickelt hat. Danach, und das ist das besonders Gelungene, können die Lernbegleiter, zu denen auch unbedingt Eltern und Großeltern gezählt werden, mit den Kindern die einzelnen Fehlerschwerpunkte bearbeiten. D.h. niemand muss vor über 200 Seiten Fördermaterial erschrecken, einige Schüler werden nur den langen und kurzen i-Laut üben, andere die S-Laute oder das Dehnung-H. Insgesamt hat die Autorin ihr Material in 23 Bereiche (Inseln) aufgeteilt, die so exotische Namen tragen wie Wofa-Wob-Insel (Wortfamilien und Wortbausteine), Gro-KI-Insel (Groß- und Kleinschreib-Insel) und mehr. Erkennbar wird, Rechtschreibung und Grammatik bleiben bei Karina Strauss-Stolz miteinander verzahnt. Für die Reise durch das Fehlermeer mit seinen Inseln erhalten die Kinder ein Logbuch, das ihnen zeigt, welche Bereiche sie bereits beherrschen und die wichtigsten Rechtschreib- und Grammatikregeln zusammenfasst. Die Lernbegleiter sollten die Kinder so lange auf einer der Lerninseln trainieren lassen, bis der Fehlerschwerpunkt wirklich überwunden ist. In der Regel haben Profis dafür auch genügend Zusatzmaterial zu Hand. Aber auch Familienangehörige können die Übungen vertiefen, indem sie die von Karina Strauss-Stolz aufgeführten Internetseiten nutzen, die oft kostenlose Angebote bereitstellen.

Als Merkhilfe dienen dem Kind Merksätze, auch in Form von kurzen Reimen zur Unterstützung des akustischen Gedächtnisses. Besonders hervorzuheben sind auch die vorstrukturierten Seiten für die Merkwörter zum jeweiligen Schwerpunkt. Im Gegensatz dazu sind einige der Übungsseiten für Kinder mit optischen Differenzierungsproblemen etwas überladen. Hier kann aber der Lernbegleiter gut eingreifen und die Angebote vergrößert kopieren.

Das Programm ist entwickelt für die Klassen 1-8, wobei einige Kapitel wie die der Lautdifferenzierung ausschließlich für jüngere Kinder konzipiert sind.

Gerade für jüngere Kinder ist es wichtig, spielerisch zu trainieren. So können die neun wichtigsten Rechtschreibbereiche durch Spiele aus dem Verlag der Autorin vertieft werden.

Fazit: „Migo, der Pirat“ ist eine gelungene, kindgerechte Aufgabensammlung für das LRS-Training in der Schule, zu Hause oder beim Therapeuten. In Österreich ist sie bereits auch als Schulbuch zugelassen. Eine Download-Version gibt es bereits für 36,00 Euro; die Printausgabe kostet 78,00 Euro.

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