Ho-seung, Jeong: Liebende

Fabeln und Parabeln sind in Europa ein wenig aus der Mode geraten. In der asiatischen Literatur scheint man dieser Gattung noch näher zu sein und so ist im O.W. Barth-Verlag eine Übersetzung der poetischsten Bücher der letzten Jahre erschienen: „Liebende – Eine poetische Fabel über die unermessliche Kraft verbundener Herzen.“

Im Mittelpunkt stehen zwei Karpfen, die ein Tempelglockenspiel erklingen lassen,  Blauperlenauge und Schwarzperlenauge. Doch obwohl Blauperlenauge seinen Partner über alle liebt und für seine Bestimmung hält, trägt er die Sehnsucht und Neugier nach der Welt in sich. Schwarzperlenauge und seine beständige, ruhige Liebe sind ihm nicht genug. Er versucht ihn zu überreden, den Tempel zu verlassen, doch Schwarzperlenauge bleibt. So treibt es Blauperlenauge allein durch die Abenteuer einer gefährlichen Welt mit Lieben aller Art. Er erlebt, wie andere sich für die Liebe zu ihm fast opfern und opfert auch beinahe sich selbst, doch tief in seinem Inneren ruhen die Erinnerungen an Schwarzperlenauge.

Das schmale bebilderte Büchlein hat 128 Seiten und kurze leserfreundliche Kapitel. Schnell vergisst man nach den ersten Seiten das für uns etwas fremd anmutende Szenario der unbelebten Handlungsträger, denn Jeong Ho-seung gelingt es durch seine tiefen Wahrheiten, einen auf die abenteuerliche Lebensreise eines unerfahrenen, aber neugierigen Karpfens auf der Suche nach Liebe mitzunehmen. Beinahe jedes Kapitel enthält kleine Weisheiten, die man sich anstreichen und ins Leben tragen möchte.

In seiner Heimat ist der 1950 geborene Ho-seung einer der bekanntesten Dichter. Sein Buch „Liebende“ erschien in Korea bereits 2008 und wurde über 2 Millionen Mal verkauft, bei uns ist der Autor noch völlig unbekannt, was hoffentlich nicht so bleibt.

„Liebende“ von Jeong Ho-seung ist poetisches Herzblut, das Leser von Kahil Gibran oder Paulo Coelho begeistern wird. Es ist bei O.W. Barth für 12,99 Euro erschienen.

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