Frank Goldammer: Zwei fremde Leben

Ein junger engagierter Polizist in der DDR in den frühen 70iger Jahres zufällig in den Fall einer Kindesentführung verwickelt. Ricarda Raspe, Tochter des Chefarztes einer Dresdner Klinik, der mit dem Schwiegersohn in spe unzufrieden ist, hat scheinbar Komplikationen bei der Geburt ihres Kindes. Es wird tot geboren, sagt man ihr. Doch Ricarda will nicht daran glauben. Der junge Polizist unterstützt sie.

Auch Claudia Belehing fühlt sich in ihrer Familie nicht wohl, kann aber zunächst nicht greifen, woher ihr Unbehangen stammt. Ihre Familie wohnt in Rüdersdorf am See, kurz vor Berlin. Ihre Mutter ist darauf bedacht, dass Claudia beste Noten mit nach Hause bringt und Claudia gibt in der Schule alles, um von ihren Eltern in Ruhe gelassen zu werden. Doch kurz vor der Wende setzt sie als Jugendliche alles auf eine Karte und versucht in den Westen zu fliehen.

Diese beiden Erzählstränge lasst Goldammer zusammenfließen.

Nach der Wiedervereinigung, als Ricarda längst mit Ines ein weiteres Kind hat, flammen ihre Zweifel am Kindstod 1993 wieder auf. Doch auch jetzt kommt die Wahrheit nichts an Tageslicht. Erst 2018 scheint die Zeit dafür reif.

In der Zwischenzeit ist Ricardas Beziehung zu ihren Eltern daran zerbrochen, die Ehe kaputt gegangen und auch die Beziehung zur Tochter Ines ist belastet. Hinzu kommt, dass der Westen, der das Land ihrer Kindheit übernommen hat, längst nicht für alle Bürger halt, was er versprochen hat. Goldammer zeigt, dass es einen langen Atem braucht, um die Wahrheit ans Tageslicht zu bringen und wie wichtig dabei Menschen sind, wie der ehemalige Polizist Thomas Rust, der obwohl er nur mittelbar beteiligt ist, die Sache nicht auf sich beruhen lassen will.

Frank Goldammer, selbst in der DDR geboren ist ein packendes Stück Zeitgeschichte gelungen, das sich über weite Strecken spannend liest wie ein Agententhriller. Er lernte Maler- und Lackiermeister, begann aber mit 20 Jahren zu schreiben und verlegte seine ersten Bücher im Selbstverlag. Sein Buch „Der Angstmann“ gelangte sofort auf die Bestsellerliste.

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