Belletristik

Fabian Neidhardt: Immer noch wach

Nach vielen Schicksalsschlägen, die vor allem mit dem frühen Tod seiner Eltern verbunden waren, hat es der 30jährige Alex geschafft: Er hat einen besten Freund, eine liebevolle Partnerin und einen Job, den er sich gewünscht hat. Da bekommt er die Diagnose: Magenkrebs. Da sein Vater 20 Jahre zuvor an derselben Krankheit verstorben ist, meint Alex zu wissen, was ihm bevorsteht. Er entschließt sich alle weiteren Behandlungen und Untersuchungen auszuschlagen und als es so weit ist, in ein Hospiz zu gehen. Noch einmal lernt Alex dort das Leben von einer sehr intensiven Seite kennen. Er öffnet sich den Menschen und gewinnt Freunde, die ihm ans Herz wachsen. Einigen erfüllt er einen letzten Wunsch, weil ihnen dazu die Zeit nicht mehr bleibt. Dann aber kommt alles ganz anders. Es stellt sich heraus, dass die Ärzte sich in der Diagnose geirrt haben, sein Tumor gutartig ist und er nicht daran versterben wird. Was macht man in einem solchen Fall? Zuerst einmal eine Beerdigung feiern, auf der der Tote anwesend ist. Und seine To-do-Liste fortführen, mit der man das Leben ernst nimmt.

Fabian Neidhardt hat einen Roman geschrieben, der einen beim Lesen nicht kalt lässt. Einer der an der Schwelle des Todes zu stehen scheint und sein Leben umkrempelt, bekommt noch einmal eine Chance. Und Alex hat es wirklich verdient. Der Roman zeigt aber auch, wie sehr die Diagnose Krebs in das Leben des Umfelds einbricht, zu allererst in das der Partnerin Lisa, die Alex wirklich liebt, und der er darum nicht zumuten will, an seinem Sterben teilzuhaben. Er lässt uns aber auch einen Blick in die „Gemeinschaft auf Zeit“ im Hospiz werfen, die dem Tod kreativ, ergeben und widerstrebend begegnet.

Der Autor Fabian Neidhardt hat selbst ein Praktikum im Hospiz gemacht, um darüber authentisch schreiben zu können. Er hat ein Volontariat beim Radio gemacht, Sprechkunst, Kommunikationspädagogik und Literarisches Schreiben studiert. Sein Roman „Immer noch wach“ ist vor allem durch die vielen Dialoge und kurzen Reisenotizen sehr lebendig geschrieben. Er ist im Haymon-Verlag für 22,90 Euro erschienen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert