Yaroslava Black, Ulrike Jänichen: Baba Anna – wie meine ukrainische Großmutter auf dem Brombeerblatt flog

Eines Tages hält der Vater das Pendel der großen Wanduhr an. Baba Anna, die Großmutter des Kindes, aus dessen Sicht die Geschichte geschildert wird, möchte jetzt keine Geräusche mehr hören. Wahrscheinlich ist das Brauchtum in den großen Städten der Ukraine auch nicht mehr ganz so präsent wie in den Dörfern der Karpaten. Dort nehmen sich die Leute drei Tage Zeit, die Seele des Verstorbenen „hinüber“ zu geleiten. Denn die Seele war ein ganzes Leben bei ihnen, und findet sich nicht so schnell zurecht. In dieser Zeit ist es möglich, dass Erinnerungen an den Verstorbenen aufleben. Deshalb ist auch der Tod nicht ausschließlich etwas, was mit Trauer verbunden ist, sondern das Dorf kommt auch zusammen, um zu musizieren und den Rhythmus aus Leibeskräften mitzustampfen.

Als (Vor)Lesealter gibt der Verlag 5 Jahre an, da es einfühlsam erzählt ist, kann es jüngere Kinder, die vielleicht den Tod eines lieben Angehörigen zu verarbeiten haben, dabei unterstützen. Aber auch an Kinderliteratur interessiert Erwachsene werden die Bildhaftigkeit, die in den Bräuchen der Ukraine steckt, schätzen.

Yaroslava Black ist ein großes Meisterwerk gelungen, das gerade jetzt eine Verbindung schafft zu den vielen ukrainischen Flüchtlingen. Wir können ihren Totenkult bewundern, der in Deutschland nicht mal ansatzweise so erhalten ist. Zugleich nehmen wir damit an ihrem Leben teil. In einem Nachwort schildert Taras Prochasko aus der Westukraine, wie wichtig es für die Ukrainer schon immer war, ihre Traditionen und Bräuche zu bewahren.

„Baba Anna“ (ISBN: 978-3-8251-5319-9) erscheint zeitgleich in einer deutschsprachigen und einer ukrainischsprachigen Ausgabe. Die deutsche Ausgabe wurde vom Verlag Urachhaus für 19,90 Euro herausgegeben.

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