Ralf Isau: Pala und die seltsame Verflüchtigung der Worte

Für Pala scheint die Welt zu zerbrechen, als ihr geliebter Gaspare Oratore, den sie liebevoll Großvater nennt, plötzlich nicht mehr sprechen kann und offenbar den Sinn der Worte nicht mehr versteht. Gerade Großvater Gaspare, der alte Geschichtenerzähler von Silencia. Der Gaspare, mit dem Pala Wortspielereien veranstaltet und von dem sie gelernt hat, neue Worte zu bilden und aus Worten wahre Kunstwerke schaffen.

Doch damit nicht genug, scheinen den Menschen im Städtchen so nach und nach ihre Worte abhanden zu kommen. Nur Pala bleibt von der um sich greifenden Sprachlosigkeit verschont. Sie beginnt, nach der Ursache zu forschen und erkennt, dass hinter all dem nur Zitto stecken kann. Der ominöse Zitto, der auf der alten verfallenen Burg eingezogen ist und den noch niemand zu Gesicht bekommen hat.

Zusammen mit dem kleinen Wortklauber Tozzo und ihrem Freund Guiseppe macht sich Pala auf den beschwerlichen Weg zu Zitto. Sie muss verschiedene Rätsel lösen und Gefahren bestehen, ehe sie vor Zitto steht.

Doch nur eine Wortschöpferin wie Pala kann diesen Kampf gewinnen und ihr Städtchen und seine Menschen retten.

Jedes Kapitel beginnt in Ralf Isaus „Pala“ mit einem Sonett. Alle zusammen bilden einen Sonett-Kranz, der sich durch das gesamte Buch zieht und den Pala mit dem 15. Sonett, dem Meistersonett, schließt. Ralf Isau beweist mit „Pala“ sehr deutlich, dass er buchstäblich ein Wortschöpfer ist. Er erweckt seine Wortgebilde in dieser phantastischen Geschichte vor den Augen des Lesers zum Leben. Plastischer und anschaulicher ist dies kaum noch zu übertreffen. Isau ist es gelungen, das Sonett als tragendes Erzählelement meisterhaft mit der Prosa-Geschichte zu verbinden, ohne dass es aufdringlich oder gar altmodisch wirkt.

Eine phantastische Geschichte aus einem Guss, spannend, spielerisch verwoben und mit tieferem Sinn.