Das Cover zeigt sie schon: der freche Westi mit seinem Ball, der zum Spiel in Aufforderungshaltung gebeugte Jack Russel, der zum Sprung ansetzende Boxer – alles typische Vertreter für Rassen, die dazu neigen, manchmal etwas zu übertreiben. Doch auch jeden anderen Hund – und vor allem seinen Halter – kann es treffen: Hyperaktivität. Obwohl viele Hundebesitzer mit der Lebendigkeit ihres Vierbeiners ihre Liebe Not haben, ist Hyperaktivität ein Begriff, den man eher aus der Kinderpsychologie kennt. In den Letzten Jahrzehnten wurde durch verschiedene Wissenschaftler jedoch versucht, dieses Problem auch auf die Hunde zu übertragen, die schier nicht zu bändigen scheinen. Die Tierärztin Maria Hense, approbierte Tierärztin hat sich näher damit befasst und ein ebenso fachliches wie für den aufgeschlossenen Laien gut zu lesendes Fachbuch geschrieben, das 2010 im Verlag animal Learn erschienen ist.

Durch ihre präzise und einfühlsame Art gelingt es der Autorin, Verständnis für die Problematik von hyperaktiven Hunden zu wecken. Durch die Vielzahl gut gegliederter Tipps schürt sie die Hoffnung, dass dem Halter immer noch gelingen kann, woran einzelne Hundeschulen und -trainer vielleicht schon gescheitert sind. Am Anfang steht die Beobachtung des eigenen Tieres. Wann treten die belastenden Symptome auf. Hyperaktivität kann auch auf bestimmte Situationen begrenzt sein. Gerade bei der Begriffsklärung und der Ursachenforschung setzt die Autorin ihre anschaulichen Ampelgrafiken ein, um zu verdeutlichen, dass es bestimmte Prädispositionen und verstärkende Auslöser gibt. Damit zeigt sie auch, wie multifunktional das Problem Hyperaktivität ist und an welchen Ecken es angegriffen werden kann.

Daran schließt sich ein breites Kapitel mit Tipps für den Alltag innerhalb der einzelnen Entwicklungsphasen an. Da Vorbeugung besser ist als heilen, enthält der Band auch einen speziellen Teil zum Umgang mit Welpen in der Welpenstunde. Das umfangreichste Kapitel ist der Therapie von hyperaktiven Symptomen gewidmet. Einer der wohl wichtigsten Hinweise dabei dürfte wohl sein, dass die Erwartung von Strafen Hyperaktivität eher verstärkt als eindämmt. Das wird verständlich, wenn man sich vorstellt, wie nervös auch Menschen in Erwartung strafender Maßnahmen werden. Außerdem schlägt die Autorin verschiedene Entspannungstechniken und beschreibt die Erarbeitung von Gehorsamsübungen.

„Der hyperaktive Hund“ enthält somit auch viele Anregungen zum typgerechten Erziehen lebendiger Partner. Die vielen Illustrationen machen es zudem zu einem Hingucker par excellence.