Günter Fischer / Klaus Päkel: Das Alphabet der Tiere

Der Mons Verlag ist ein kleines Unternehmen mit Anspruch und Sitz in keiner geringeren Kulturmetropole als  Dresden. Für Kinder und Erwachsene ist jetzt ein Nachfolger von ABC-Büchern erschienen: „Das Alphabet der Tiere“ von Günter Fischer und Klaus Päkel. Im kurzen Vorwort bekennt sich das Autor-Illustrator-Team ausdrücklich zu Wilhelm Buschs „Naturgeschichtlichem  Alphabet“, das über seine Lausbuben-Streiche immer wieder in den Hintergrund gedrängt wurde. Zuletzt lebte es wohl 1990 im Rahmen einer Zeit-Aktion auf, in der sechs Dichter sich diesem Vorbild ebenfalls verschrieben, wenn auch nicht ausdrücklich mit Blick auf kindliche Leser.

Die ebenso sanften wie farbkräftigen Aquarelle von Klaus Päkel werden im Buchhandel Kinder sicher schnell an das Buch heranführen, das große ABER liegt jedoch im Textexperiment. Es ist möglicherweise etwas für Freunde der konkreten Poesie, aber ob Kinder dieses Spiel so mitmachen, bleibt abzuwarten. Autor Günter Fischer hat sich das klassische ABC-Buch steigernd dem konsequenten Stab-Reim verschrieben, bei gleichzeitigem Verzicht auf kindliches Wortverständnis und Satzbau – die konkrete Poesie machts möglich.  Ich zitiere hier als Beispiel den Buchstaben „I,i“, der es (so auch meine Erfahrung) stabreimenden Kinderpoeten schwer macht: „Ignorante, inbesitznehmende, infame iberische Invasoren, ingrimmige Imperatoren, importieren inkurable Influenza, infizieren intakte, indigene, immungeschwächte Indiostämme. In immergrüner Idylle inmitten indianischer Inwohner (sic!) isst irritierter Ibis Insekten.“ Für alle Wörter, die man nicht kennt, ist auf jeder Seite ein Wörterbuchteil hinzu gefügt, muss man fairerweise sagen.  Aber muss es wirklich das sein? Warum geht es nicht kürzer, auf den Reiz des Tieres und der Sprache vertrauend?  Denn diesen Zugang findet der Autor auf einigen Seiten tatsächlich wie beim Löwen: „Löwe Leu, legendäres Landraubtier, Literatenlichtgestalt, Länderwappentier, langmähniger Langschläfer, lausiger Liebhaber…“ So weit – so gut.  Aber auch die Aufzählung, in der die kurzen Texte gestaltet werden, überfordert Leser schnell.

Noch viel leichter als zu Buschs Zeiten ist es heute möglich, zur Erstellung eines Stabreimtextes den Duden oder günstiger noch das Internet zu Rate zu ziehen und eben Stabreime zu versammeln. Umso notwendiger ist aber zu überlegen, wie mit dieser Sammlung weiter verfahren werden sollte. Diese Aufgabe stellt sich jetzt wohl dem kreativen Leser. Vielleicht möchte er sich ja an kurzen Sequenzen erfreuen wie an „Kakaofarbene Kängurus kauen köstliche Kräuter“, vielleicht möchten auch Erwachsene Geist und Wortschatz trainieren, dann dürfte  es das richtige Buch sein.

„Das Alphabet der Tiere“ von Fischer und Päkel ist im Mons Verlag sowohl als Hardcover wie in Ringbindung erschienen für 23,90 EURO bzw. 19,90 Euro.

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