Britta Strauß: Nocona: Eine Liebe stärker als Raum und Zeit

Die junge Fotografin Sara reist durch den mittleren Westen der USA, auf der Suche nach dem einen, besonderen Foto. Als ihr in einem Museum der Comanche Makah über den Weg läuft, ist sie hingerissen. Das perfekte Gesicht für das perfekte Foto. Doch wie erklärt sich die Vertrautheit zwischen ihnen? Was haben die intensiven Träume zu bedeuten, die sie seit ihrem ersten Zusammentreffen immer häufiger heimsuchen? Träume, die sie in die Vergangenheit reisen lassen, in eine Welt, die längst untergegangen ist. Immer mehr Fragen tauchen auf, die mit dem Verstand nicht zu beantworten sind.

Als Pflichten Sara zurück nach New York zwingen, wird sie von Visionen überwältigt. Sie spürt, dass nur Makah ihr helfen kann. Verzweifelt versucht sie, ihn wiederzufinden, doch als es ihr endlich gelingt, bricht Unheil über die beiden Liebenden herein. Schatten aus ferner Vergangenheit drohen ihr Leben zu zerstören, auf Sara wird ein Mordanschlag verübt.

Während Vision und Wirklichkeit zunehmend verschwimmen und eine tragische Liebe aus längst vergangenen Zeiten ihren Weg in die Gegenwart findet, kämpft Makah um das Leben der Frau, der sein Herz gehört.

„Ich will dich in eine Decke aus Wind hüllen. Ich will dich in einer Wiege aus Träumen schaukeln. Wenn der Wind mir durch das Haar weht, weiß ich, dass du dich in meinem Herzen bewegst.“ – Puh, es fällt mir gar nicht leicht, meine Gedanken zu diesem Buch in Worte zu fassen. Ich war von Anfang an gefesselt von der Geschichte. Ich war mittendrin und konnte fühlen, wie der Wind mir durch mein offenes Haar wehte, als ich auf Siyo durch die Canyons und die unendlichen Weiten ritt. Ich konnte sehen, wie mein Volk um das Feuer tanzte, auf Büffeljagd ging und wie Nocona ein Kanu baute… Ach nein, es waren wohl doch nur schöne Tagträume. Die Geschichte ist eine Achterbahnfahrt der Gefühle. Das Leben der Indianer ist so detailgetreu beschrieben, dass ich mich frage, ob Britta Strauß wohl damals gelebt und das alles miterlebt hat?

Die Geschichte beruht auf einer wahren Begebenheit: Es geht um Cynthia Ann Parker, die als Kind von den Comanchen entführt und dort aufgezogen wurde. Sie erhielt den Namen „Naduah“. Sie heiratete den späteren Anführer „Nocona“ (übersetzt: der Wanderer). Alles schien gut, bis sie bei einem Überfall von „den Weißen“ mitgenommen wurde – gemeinsam mit ihrer Tochter Topsannah. Auf grausame Art und Weise wurde sie so von Nocona und ihren Söhnen Pecan und Quanah getrennt. Letzterer ist der letzte große Kriegerhäuptling, über den berichtet wurde. Ich war so fasziniert von der Geschichte, dass ich immer wieder im Internet über die Personen und deren Leben recherchiert habe. Ebenso habe ich unglaublich tolle Bilder der Staked Plains gefunden. Da wächst die Vorstellungskraft, gemeinsam mit der Sehnsucht…

Das Buch ist eine tolle Liebesgeschichte zweier Paare (im hier und jetzt, und einmal im 19. Jahrhundert), die auf eine unerklärliche Art und Weise miteinander verbunden sind. Die Kapitel sind abwechselnd aus der Sicht der Protagonisten geschrieben, was der Geschichte verschiedene Blickwinkel gibt. Das hat mir sehr gut gefallen. Die Autorin lenkt aber auch geschickt den Blick auf die amerikanische Geschichte, auf die Kriege zwischen Indianern und Weißen, und auf die Behandlung, die den Indianern durch diese erfuhr. Ein emotional aufwühlendes Buch mit historischem Hintergrund. Eine absolute Leseempfehlung!