Es war einmal eine Spinnerin, eine Marktfrau, ein Mutter und Großmutter, … eine Frau, die nicht nur ihren Enkeln, sondern dem halben Dorf Geschichten erzählte, die sie selbst als Kind den Reisenden in der Wirtsstube ihres Vaters abgelauscht hatte. Diese Frau ist uns bestens bekannt als Dorothea Viehmann, die Quelle der Gebrüder Grimm. Ohne sie hätten die berühmten Märchenerzähler wohl nie ihren zweiten Band „Kinder- und Hausmärchen“ herausgeben können. Ihre Person hat die Germanistik immer wieder interessiert. Das, was über sie bekannt ist, bietet Arnica Esterl jetzt auch Kindern in einem romantisch anmutenden Bilderbuch an. In „Die Märchenfrau“ werden Kinder in die Lebens- und Erzählsituation vor 150 Jahren versetzt. Sie lernen eine einfache Frau kennen, die neben den alltäglichen Sorgen der großen Familie einen Schatz hütet: Märchen aus Frankreich und ganz Deutschland. An ihrem Lebensende ist sie bereit, diesen Schatz von anderen aufschreiben zu lassen. In die kurze biografische Erzählung ist das bekannte Märchen von der “Klugen Bauerstochter“ in die Geschichte eingebunden, das an den veralteten Sprachduktus angenähert wird, aber gut verständlich bleibt.

Jede Seite aus Dorothea Viehmanns Leben als Bäuerin, Spinnerin, Erzählerin, Hausvorstand ist auch mit einem ganzseitigen Bild von Maren Briswalter sichtbar. Der kurze informative Text mit diesen Illustrationen empfehlen das Buch auch Deutschstunden im Primarbereich, in denen sich Kinder mit dem Genre Märchen auseinander setzen. „Die Märchenfrau“ ist im Esslinger Verlag erschienen.