Spuren zu hinterlassen oder Informationen aufzuzeichnen ist seit Urzeiten ein menschliches Bedürfnis. Papier erlaubt es am vielfältigsten und leichtesten diesem Wunsch nachzukommen. Nur dadurch ist der Siegeszug dieses Materials durch 2000 Jahre erklärbar. In seiner Anfangszeit war einer der Schriftträger, Pergament, so wertvoll, dass veraltete Informationen weggeschabt wurden, um das Material erneut verwenden zu können. Wichtiges Kulturgut ging so verloren – geblieben ist allein das Material.

Dem Material und seiner Geschichte geht Therese Weber in ihrem umfassenden Band „Die Sprache des Papiers“ (erschienen im Haupt Verlag) akribisch nach. Neben und mit der Geschichte des Papiers beseitigt sie auch weit verbreitete Vorurteile wie dass Papyrus aus dem Mark und nicht aus dem Stängel der Pflanze gewonnen wird. Durch eine auch mit Anekdoten angereicherte Sozialgeschichte verfolgt sie die Vielfältigkeit des Papiers bis zur Auseinandersetzung von Künstlern mit diesem Material. Dieser Galerieteil ist der eigentliche Höhepunkt des Buchs und lässt unseren alltäglichen Gebrauchsstoff in einem ganz neuen Licht erscheinen. Mit der Sachlichkeit ist stellenweise ein recht trockener Beschreibstil verbunden, der aber durch die sehr großzügige Bebilderung des Bandes mit Fotos, Zeichnungen, Skizzen und Gemälden allemal belebt wird.

Die Autorin beschäftigt sich seit 1985 aus geschichtlicher, kultureller und kunsthistorischer Sicht mit Papier. Sie ist Dozentin an der Hochschule für Pädagogik und Soziale Arbeit in Basel und genießt internationale Anerkennung als freischaffende Künstlerin. Zwischen 1992-1996 gründete und leitete sie die International Association of Papermakers and Paperartists.

„Die Sprache des Papiers“ wird in diesem Jahr ein willkommenes Weihnachtsgeschenk für Bücherfreunde, Autoren, Künstler und Soziologen.