Wer spickt nicht gern mal durchs Schlüsselloch? Allen, denen solche Neugier nicht fremd ist, sei „Badeschaum und Shrimps“ wärmstens empfohlen, zumal solcherart Bücher jede Menge Liebhaber, leider aber zu wenig Käufer finden.

Angefangen hat alles damit, dass Sabine Knauf sich an der Kassenschlange gedulden musste und auf drei fremde Einkaufszettel neugierig wurde. Diesen schien eine seltsame Magie innezuwohnen, denn von da an, jagte die Autorin jedem fremden Einkaufszettel hinterher. Nun ist ihr kreuzbergisch geprägtes Panoptikum im Berlin-Verlag erschienen und erhebt die Zeugnisse der deutschen Konsumgesellschaft in einen poetischen Rang.

Jedem Einkaufszettel sind zwei einander gegenüber liegende Seiten gewidmet. Die eine enthält eine Collage, die den Einkaufszettel einschließt, die gegenüberliegende Seite eine Schriftdeutung, manchmal mit Übersetzung und Kommentar. Dabei sind die Figuren in der Collage meist ebenso skurril wie die zufällige Zusammenstellung der Listen selbst. Über die durch die Autorin vermuteten Geschichten, die hinter den Zetteln stehen könnte, kann der Leser herzlich lachen, ohne dass sich die Einkäufer bloßgestellt fühlen müssen. Merkwürdig auch, egal welche Schrift auf den Zetteln verewigt wurde, sie erinnert immer sofort an „Mutta’n“. Rührend manchmal, was alles als Einkaufszettel herhalten musste: das korrigierte Etikett einer Weinflasche ebenso wie eine Bibliothekskarte der ehemaligen DDR. Und der deutsche Bildungsbürger darf durchaus auch lernen was „1 x büyük Lack (weiß)“ oder „Bollenpiepen“ sind.

Für 10 Euro sollte „Badeschaum und Shrimps“ aus dem Berlin-Verlag beim nächsten Besuch im Buchladen auf jedem Einkaufszettel erscheinen.