Paul Biegel: Die Gärten von Dorr

Viele, viele, viele Märchen und Texte hat Paul Biegel (1925 – 2006) verfasst, dennoch ist der Niederländer gar nicht soooo bekannt bei deutschen Märchenfreunden. Im letzten Jahr hat Schreibfeder.de bereits sein herrlich dynamisches Märchen von der Prinzessin mit den roten Haaren vorgestellt. Dieses Mal wird es verhaltener und romantischer: „Die Gärten von Dorr“.

Im Mittelpunkt steht eine Prinzessin, die am liebsten mit dem Gärtnerjungen spielen mochte, doch die Hexe Sirdis, die auch ihren Vater verführt, verwandelt ihren Freund in eine Blume. Die Prinzessin macht sich auf den Weg in die versteinerte Stadt Dorr. Nur in ihren Gärten soll sie das Samenkorn der Blume einpflanzen und ihren Freund erlösen können. Doch in Dorr pendelt die Zeit zwischen Herbst und Winter und wieder zurück. Die Stadt ist versteinert. Kaum einer spricht mit der Prinzessin. Die Gärten scheinen verloren. Wird die Prinzessin, die ihr Gärtnerjunge so sprechend: „Verlier-mich-nicht“ genannt hat, ihre Liebe erlösen können? Kann sie der silbernen Armee entkommen? Wie vermag der blinde Zauberer ihr zu helfen?

Paul Biegel erzählt atmosphärisch und bildreich. Nicht nur die Situationen malt er gefühlvoll aus, sondern auch den Handelnden gibt er sprechende Namen und hält an ihnen während der ganzen Geschichte fest. Wie auch in seinem Buch von der Prinzessin mit den roten Haaren nutzt er die Bildkraft traditioneller Märchensituationen und -figuren, um die elementarsten Gefühle der Menschen darzustellen. Den ruhigen, getragenen Ton des Märchenromans unterbrechen nur die frechen Lieder des Spielmanns Jarrik, der die Prinzessin auf ihrer Suche behüten und unterstützen will. Charlotte Dematons hat dieses zauberhafte Liebesmärchen ebenso verhalten wie stimmungsvoll in farbigen Aquarellen festgehalten. Die „Gärten von Dorr“ sind vielleicht Paul Biegels Opus magnum und werden junge wie erwachsene Märchenfreunde nicht loslassen. Es ist bei Urachhaus in der Halbleinen-Reihe von Paul Biegel für 16,90 Euro erschienen.