Ntailan Lolkoki: Flügel für den Schmetterling

Flügel für den Schmetterling: Der Tag, an dem mein Leben neu begann

Ich komme von diesem Buch nicht los.

Das bedrückende Schicksal der Autorin ist mit großer Spannung gestaltet. Diese mutige Frau berichtet einprägsam ohne Gefühlsduselei. Sie schreibt nicht für sich, sondern für viele tausende Frauen, die durch FMG (Female Genital Mutilation) sexuelle Verstümmelung leiden mussten. Ihr Ziel ist die Beseitigung dieser tragischen Misshandlung weltweit.

Der Roman beginnt mit dem Aufwachsen des Kindes Ntailan in ihrem kenianischen Dorf. Sie gehört zum Stamm der Samburu, jedoch ihre schöne Mutter zum Stamm der Massai. Selten habe ich eine so einfühlsame Schilderung des Lebens auf dem Lande gelesen wie die von Ntailan. Sie berichtet vom täglichen Allerlei mit Sauberhalten, Tierpflege, Kindererziehung, Trinkwasserbesorgen bis Essenzubereiten, Freizeit. Da ihr Vater als Wildhüter sie oft zur Arbeit mitnahm, konnte sie Giraffen, Elefanten, Zebras, Affen, auch Löwen und Krokodile beobachten. Sie hat eine klare und verständliche Sprache und lässt den Leser ihre Liebe zur Heimat fühlen.

Dann kommt die Beschneidung: Ohne Scham spricht die Autorin diese grausame Scene an. Sie ist 12 Jahre alt. Seit Jahrzehnten beherrscht die Tradition entgegen jeden menschlichen Gefühls das Geschehen. Die Mädchen müssen ohne Schmerzäußerung alles ertragen. Die ausgewählten Dorffrauen übernehmen diese Handlung ohne jede Hygiene – geschweige denn Sterilität – mit Messern, scharfen Gegenständen – Scherben und dergleichen. Die Folgen haben dann die Kinder. Mädchen mit sich allein auszutragen. Auch für Ntailan beginnt damit ein leidvoller Weg. Durch die Verstümmelung der Geschlechtsteile stirbt dem kleinen Menschen jedes Gefühl ab. Auch später die Sexualität. Mit der offenen, ehrlichen Beschreibung erleben wir Leser ein Leiden, das kaum mit Worten wiederzugeben ist. Ntailan sucht mit Mut neue Wege von Freundschaften mit Zuneigung über Hoffnungen, bittere Enttäuschungen bis zur Verzweiflung. Ihre Mutter und geliebte Schwester verfallen dem Alkohol. Doch Ntailan ist tapfer und entschlossen. Im Deutschen Krankenhaus „Waldfriede“ lernt sie das Desert Flower Center (DFC) und die bekannte Waris Dirie kennen. Nun wachsen ihr plötzlich die Flügel des Schmetterlings.

Bleibt nur, Ntailan und allen betroffenen Frauen und Mädchen zu wünschen: Nie mehr und nie wieder!!

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