Mirjam Pressler: Wuntertütentage

Mirjam Pressler veröffentlicht wieder einen sehr warmherzigen Kinderroman bei Beltz & Gelberg. „Wuntertütentage“. Wie so häufig wendet sich die Autorin Kindern zu, die sich erst in eine neue Welt einfinden müssen. Der fast elfjährige Sami zieht mit seinen Eltern und seiner größeren Schwester um. Mit dem neuen Haus und mit der neuen Klasse kann er nichts anfangen. Wenigstens lassen sie ihn in Ruhe. Aber dann zieht auch noch seine Mutter aus, weil sein Vater ihren Wunsch, nun endlich, wo die Kinder aus dem gröbsten raus sind, zu studieren, nicht unterstützen will. In dieser Situation hätte Sami schon gute Freunde nötig. Da begegnet er der ebenso unscheinbaren Niki. Sie hat die Katze der Nachbarn gekidnappt, als sie merkte, dass sie wieder Junge bekommt. Die Nachbarn hätten die Kleinen nur getötet. Nun sind Weißohr, Weißpfote und Weißbauch in ihrem Schuppen und Niki muss sie großziehen und ihnen Besitzer suchen. Das wird auch eine Aufgabe für Sami, der so eine Freundin findet, die nicht so zögerlich ist wie er selbst und die ihn mit den Kindern und Erwachsenen des Viertels bekannt macht. Ihr kann er erzählen, was bei ihm zu Hause schief läuft.

Mirjam Pressler hat für ihren Kinderroman einen Ansatzpunkt gefunden, an dem andere Romane aufhören: mit dem Einzug ins neue Heim wird eben nicht automatisch alles gut. Wenn Kinder groß werden, sind eben nicht alle Probleme automatisch gelöst. Ihre poetischen und warmherzigen Schilderungen erreichen bei Samis erster Begegnung mit den jungen Kätzchen ihren Höhepunkt. Spätestens ab da will der Leser den Weg der Kinder Niki und Sami bis zu Ende verfolgen. Dafür wird er für so herrliche Bilder belohnt, wie dass Sami seine Mutter nur an ihrem kleinen Finger wieder erkannt hätte. Ein trostspendendes Buch für Kinder, deren Familienleben gerade erschüttert ist und für junge Leser, die Tiere und Natur lieben.