Die Katze und das Kaninchen aus Käthe Recheis Geschichte haben das Zeug zum Kinderbuchklassiker zu werden wie der Frosch mit seiner Tigerente. Doch obwohl sie die dicksten Freunde sind, hält die Katze die ewige Sorge und Angst von Kaninchen nicht mehr aus. Keinen Sonnenuntergang kann man genießen, weil Kaninchen beim leistesten Rascheln die Flucht ergreift. Eigentlich kein Wunder, dass Katze sich neue Freunde suchen will. Doch wem sie auch begegnet: Alle sind beschäftigt und haben es eilig, mit niemandem kann sich Katze unterhalten und ein neues Baumhaus ist auch nicht so leicht zu finden. Kaninchen indessen muss ohne Katze über sich hinaus wachsen. Es muss seine Angst überwinden und das Baumhaus beschützen, denn es könnte ja sein, Katze kommt zurück.

Obwohl Käthe Recheis schon seit Jahrzehnten Kinderbücher schreibt, ist sie leider vielen Eltern nicht so bekannt wie Janosch. Anders als dieser bestechen ihre Texte aber durch eine schlichte, genaue Sprache. „Wie das Kaninchen mutig wurde“ ist eine warmherzige Geschichte, die um die Balanceakte problematischer Freundschaften weiß und völlig undidaktisch Werte postuliert. Kaninchen und Katze werden auch dadurch zu zwei Helden, die sich der Sympathie ihrer kindlichen Zuhörer gewiss sein dürfen. Frauke Bahr stellt sie immer wieder in den Mittelpunkt ihrer Seiten füllenden Illustrationen und betont vor allem in der Mimik die wechselnden Gefühlslagen von Kaninchen und Katze zwischen Angst, freudiger Gelöstheit, Enttäuschung und Stolz.