Wem es genauso geht wie unserer kleinen Schreibfeder-Redaktion, dem sei es hier fröhlich entgegen geschrien: Die Kinderbuchliteratur hat eine neue Heldin! Hedvig! Wie konnten wir nur so lange an ihr vorbeigehen?! „Hedvig! Im Pferdefieber“ ist inzwischen der dritte Band in der Serie. Pferdebücher sind bei Mädchen gefragt und belasten diejenigen Erwachsenen, die sie besprechen könnten eher als dass man neugierig ist. Fast also wäre auch dieser Band an uns vorbeigaloppiert. Doch zum Glück birgt der Verlag Beltz & Gelberg für anspruchsvolle Kinderliteratur.

Im Mittelpunkt steht die gerade in die 2. Klasse gekommene Heldin Hedvig. Eine Heldin, an der sich so gar nichts Gutes erkennen lässt: Sie scheut sich nicht davor, ihre pferdebegeisterten Klassenkameradinnen anzulügen, dass ihr neuer Nachbar drei Schimmel hält, die sie reiten darf; sie verursacht einen Fahrradunfall und anstatt wenigstens „Entschuldigung“ zu sagen, begeht sie auch noch Fahrerflucht und sie zertrümmert dem dicken Alfons das Nasenbein. Jeder, der das liest, begreift: So geht das nicht, Hedvig! Aber jeder, der das liest muss auch mit Hedvig mitleiden. Jawohl, mit Hedvig und nicht mit ihren Klassenkameraden!

Ausgangspunkt für die Abenteuer dieses Bandes ist das Pferdefieber, das fast alle Mädchen der 2. Klasse befallen hat. Auch Hedvig. Ihr Vater möchte ihr eine Freude machen und folgt dem Ruf seines eigenen tierlieben Herzen. Er holt den misshandelten Esel Max-Olof auf ihren Hof, der sich wie wild gebärdet. Hedvig ist entsetzt. Niemals ist ein Esel das, was ein Pferd ist. Und Max-Olof schon gar nicht. Leise Zweifel kommen ihr erst, als Max-Olof verschwindet.

„Hedvig! Im Pferdefieber“ ist ein in sich abgeschlossener Roman, den man mühelos liest, auch wenn man die anderen Hedvig-Bände nicht kennt. Von den ersten Seiten an, schließt man die Heldin ins Herz. Gerade auch weil sie eben nicht die Gelegenheit bekommt, eine Ponyhof-Geschichte zu erleben. Mit ihrem Wunsch nach Anerkennung und Freundschaft versucht sie, sich in ihrer Klasse durchzusetzen und greift dabei konsequent daneben. In seinen Nebenfiguren wie ihrem Cousin, dem Rocker Tony zeigt die Geschichte aber auch, dass es für niemanden leicht ist, ein beliebter Mitmensch zu werden. Die Erwachsenen in Form der Eltern und Lehrer scheinen nur wenig Mittel zu haben, den Prozess zu steuern. Die humorvolle Erzählweise der Autorin vermittelt aber ungesagt die Zuversicht, dass das Leben dennoch nicht auf die schiefe Bahn gerät.

„Hedvig! Im Pferdefieber“ ist als günstiges Taschenbuch der Gulliver-Reihe für 6,95 Euro erschienen. Wenn schon nicht für pferdeverrückte Mädchen, so ist es auch vom Preis her eine ideale Klassenlektüre für aufgeschlossene Schulen.