Sachbuch

Faith G. Harper: Schluss mit dem Brainfuck

Die größte Schwäche dieses Ratgebers mit dem Untertitel „Befreie dich von Angst, Depression, Wut, Trauma und Triggern“ ist wahrscheinlich zugleich auch seine Stärke: die (deutsche) Sprache. Vermutlich versucht die Autorin ein jüngeres Publikum zu erreichen, und meint es unkonventionell am ehesten mit der Sprache zu können: „Was soll mir der Scheiß?“, „die Arschlochamygdala“ usw. Nach wie vor findet es eine Generation von 40+ möglicherweise nicht so angebracht auf diese Art, Vorgänge im Hirn zu erläutern, die bei Ängsten, Traumata, Wut und Depressionen ablaufen. Aber wenn man darüber hinwegliest, stellt die Autorin Faith G. Harper die im Hirn ablaufenden Prozesse in äußerster Kürze gut dar. Sie beginnt gleich zu erläutern, was bei einem Trauma im Hirn abläuft und zeigt Techniken, wie man die Vergangenheit aufarbeiten und das Gehirn neu programmieren kann. Als Amerikanerin hat sie dabei einen vielleicht unbelasteteren Zugang zu den Selbstheilungsmöglichkeiten als wir Deutschen, die mehrheitlich der Idee anhängen, so etwas könnten nur Therapeuten oder Psychologen. Aber in Zeiten, da die Plätze bei ihnen über Monate hinweg vergeben sind, bildet das Büchlein vielleicht eine gute Brücke. Dabei spricht sie den Lesenden konsequent mit „Du“ an, wodurch sie Nähe herstellt. Ihr Buch schließt mit Leseempfehlungen bzw. Hinweisen auf Internetseiten, die diagnostische Fragebögen anbieten, wobei die meisten auf Englisch sind.

Der Verlag wirbt damit, dass die englische Ausgabe des Buches 4,5 Millionen Mal in den USA verkauft wurde. Diese Zahl wird „Schluss mit dem Brainfuck“ (ISBN: 978-3-96905-260-0) hier wohl nicht erreichen. Das Buch ist im YES-Verlag erschienen und kostet 16,00 Euro.

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