Belletristik

Herbert Laschet Toussaint (Hrsg.): So weit so grün

Diese Anthologie ist etwas Besonderes. Das kann nur erahnen, wer sich ein wenig mit der Bewegung schreibender Arbeiter in der DDR auskennt – oder in dem 319 Seiten starken Band gelesen hat. Einen von unzähligen Zirkeln „schreibender Arbeiter“, in denen zumeist keine Arbeiter waren, leitete Klaus-Dieter Schönewerk. Um ihn trafen sich Schreib- und Literaturbegeisterte. Und „KD“, seines Zeichens Kulturredakteur der Zeitung Neues Deutschland verstand es mit viel Einfühlungsvermögen und fachlicher Kompetenz aus den verschiedensten Charakteren Literatur sprießen zu lassen. Die Diskussionen um Literatur und Leben zogen sich meist im ND-Gebäude am Ostbahnhof bis weit nach Mitternacht hin. Das Alter der Akteure reichte von jungen 16 bis 93 Jahren. Text, überwiegend Gedichte aus 40 Zirkeljahren sind in „So weit so grün“ versammelt. 1972 gründete sich der Zirkel, 2014 verstarb der von allen hochgeschätzte Zirkelleiter, dem es gelungen ist, über 40 Jahre immer Leute von der Sekretärin, dem Therapeuten, dem Mathematiker, Drucker, Richter um sich zu scharren.  Das ist selten in der „Laienschreibszene“. Einige wie Martin Pohl tauchten auch in anderen Zirkeln auf oder gründeten Haiku-Gruppen wie Petra Klingl. Es gibt fast nicht, wozu sich die Anthologie nicht äußert: Zuallererst stehen da natürlich Liebesgedichte, Texte zu Kunstwerken, Gedichte über eigene und fremde Schwächen, Verzweiflung, Tschernobyl…

In dieser Anthologie kann man blättern wie in einem Almanach. Wer Gedichten eine Chance geben will, auf sich zu wirken, den werden sie auch erreichen. Es ist bei BoD als Kindl-Version für 7,99 Euro erschienen und kostet als Printausgabe 11,99 Euro.

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