Clara Lösel: Wehe du gibst auf
Hat die Generation Z Poeten, die die 20iger und 30iger Jahre dieses Jahrhunderts überdauern werden? Die über ein kurzes Auftreten in Poetry-Slams oder Open Mics ihre Zeit überdauern werden? So wie Verse von Hesse, Rilke und Kafka; Fried, Jandl oder Kaleko ihre Schöpfer überdauert haben? Ehrlicherweise müsste ich sagen: Ich bin zu wenig auf Instagram oder TikTok unterwegs, um mir darüber ein Urteil erlauben zu können. Aber gerade ist es einer von ihnen gelungen, die social-media-Kanäle zu verlassen, ein Buch zu verlegen und so auch in den Fernsehtalk-Shows zu stranden. Mit ihrem Buch „wehe du gibst auf“ will Clara Lösel nicht nur ihre eigene Generation erreichen, sondern auch die Älteren.
Das ist schwer, denn die Generation X oder die Babyboomer, sind mit einem ganz anderen Lyrikbegriff groß geworden. In der NDR-Talkshow im Dezember wurde Clara Lösel – die auch in Schulen workshops gibt – gefragt, was denn Gedichte ausmache. Ihre spontane Antwort: das sie in Versen geschrieben sei. Das trifft für ihre Gedichte schon mal nur teilweise zu. Zugegebermaßen macht mir das ihre Gedichte sympathisch, dass sie oft nur einen a b a-Reim pro Strophe hat. Aber darüber hinaus ist doch Dichtung, es steckt schon im Wort selbst, etwas, das dicht daherkommt, Raum zwischen den Zeilen lässt, in denen der Leser tätig werden darf. Das tun wiederum die wenigsten ihrer Gedichte. Und das ist schade. Aber auch unter ihnen gibt es Ausnahmen wie das herrlich ironische „faschisten-döner“ oder den Vierzeiler „nackt“.
Dichter anderer Generationen, kamen vor allem in ihren Jugendwerken rebellischer daher. Clara Lösel ist thematisch angepasster. Sie schreibt immer wieder über ihre Liebe und deren Verlust, über ihre Ängste und ihre Siege, über Konsum und ihre Dankbarkeit. Das war meines Wissens noch nie so direkt in der Lyrik einer Generation vor ihr da, dass sie dankbar ist, dafür, was die Generation vor ihr geleistet hat („euer kampf, mein sieg“) und sich berufen fühlt, es fortzusetzen.
Es ist ihr Debütband. Es ist ihm gelungen, in den Medien Fuß zu fassen. Nun wünschte ich mir für diese junge, sympathische und nahbare Dichterin, dass sie mit dem Erfolg klug umzugehen weiß, sich auch mal ein wenig im Schreiben bremst und Zeit lässt, für den nächsten Band.
Das Buch „wehe du gibst dich auf“ (ISBN: 978-3-68969-021-2) ist im now verlag erschienen und kostet 18,00 Euro.
