Meines Wissens einzigartig in der Jugendliteratur widmet sich das im Verlag Freies Geistesleben erschiene Buch „Seidenraupenträume“ der chinesischen Lyrik.

Anemone und ihre kleine Tochter Josefine ziehen in eine neue Stadt. Beide sind begeisterte Leser, obwohl Anemone den ganzen Tag in einem Restaurant arbeiten und Josefine dorthin mitnehmen muss, wo sie nicht stören darf. Nach der Arbeit aber borgen sie sich in der Bibliothek Bücher. Vor allem der chinesische Dichter Li Po hat es ihnen angetan. Immer wieder möchte die kleine Josefine das Gedicht hören, das er an seine Kinder geschrieben hat, die er zurücklassen musste. In ihm kommen auch die Seidenraupen vor, die immer wieder die chinesische Lyrik thematisch bestimmen.

Josefine ist auch die erste, die bemerkt, dass mit dem kleinen Garten hinter dem Haus etwas besonderes vor sich geht: Er scheint sich zu verwandeln. Und eines Tages sitzt Li Po auf der Terrasse. Anemone und Josefine nehmen Li Po auf, ohne viele Fragen zu stellen. Und er nimmt in seiner stillen Art an ihrem Alltag teil, so weit ihm das möglich ist. Denn obwohl er gern dem Wein zuspricht, mit dem ihn Anemone bewirtet, erweist er sich als eher untauglich, sie bei der Arbeit im Restaurant zu unterstützen.

Statt dessen nimmt er sich in einer ernsten Art Zeit für Josefine, die zu seiner Schülerin wird.

„Seidenraupenträume“ kommt ohne viel Handlung aus und auch die Identifikation mit dem Vorschulkind Josefine wird Jugendlichen den Zugang zum Buch erschweren. Daher ist es eher ein Buch für reifere Leser, die sich mit der chinesischen Kultur und vor allem der chinesischen Dichtung auseinandersetzen wollen. Wunderschön schlicht und im Stil chinesischen Tuschmalereien angenähert wurde es von der Autorin selbst illustriert.