Anna Mai: Broilerkomplott
Der Titel des eher schmalen Bändchens erinnert vielleicht an die Eberhofer-Krimis, hat aber mit ihnen nichts gemein. Es ist das Krimi-Debüt von Anna Mai, die in Brandenburg – wo sie auch ihren Krimi spielen lässt -lebt und seit 2017 schreibt und sich vielleicht auch in ihrer Heldin Toni ein bisschen widerspiegelt. Beruflich ist Anna Mai Geschäftsführerin einer Umweltorganisation.
Ihre Heldin ist Antonia Hansen, genannt Toni, die gleich auf den ersten Seiten Zeugin des Mordes am Chauffeur der Chefin eines Geflügelmastbetriebes wird. Dabei hatte sie mit ihren beiden Freunden doch „nur“ geplant, ein Farbbeutelattentat auf die 60jährige Fleischgroßhändlerin Scherer zu verüben, das sie ins Netz stellen wollten.
Der Mord und andere Straftaten soll aufgeklärt werden durch die Polizistin Nina Hempel, die darin ihre Chance wittert, dem langweiligen Provinzdelikten zu entkommen oder zumindest ihren langweiligen Kollegen zu überflügeln. Dieses ungleiche Paar an Hauptfiguren wachsen dem Leser durch ihre authentische Motivlage schnell ans Herz. Sie führen auch gleichzeitig vor, wie unterschiedlich Frauen in Krimis agieren können, ohne Klischees zu bedienen.
Daneben beleuchtet der Roman nebenbei unprätentiös die Massentierhaltung, aufstrebenden Mafianachwuchs, Drogenverstecke im Brathendl, die Landflucht und den Pflegenotstand. Also kein Grund für Langeweile in der Provinz.
Anna Mai erzählt souverän die Facetten des Landlebens in ihrem Regional-Krimi humorvoll und atmosphärisch gelungen. Mitunter streut sie auch falsche Fährten und setzt fiese Cliffhanger, die den Leser auf die Folter spannen.
Der Krimi „Broilerkomplott“ ist im Sommer 2025 bei Ariadne erschienen und kostet 15,00 Euro. Auch wenn der Fall am Ende gelöst ist, werden es die Probleme, die er anspricht, noch lange nicht sein.
