Belletristik

Amelie Fried: Eine von uns

Im Mittelpunkt von Amelie Frieds neuem Roman steht Nelly, eine Influencerin, die fast täglich auf ihrem Kanal happy wife, happy life ihr nach perfektes Leben und Tipps, wie man ihr nachfolgen kann, postet. Das ist ihr besonders wichtig, da sie in dieses Leben hineingeheiratet hat. Aber es bricht zusammen, als ihr Mann einen schweren Unfall erleidet. Plötzlich verliert Nelly alles und muss mit ihren Töchtern in völlig neue, deutlich bescheidenere Lebensverhältnisse wechseln.

Amelie Fried erzählt eine Geschichte von der Millionärin zur Putzfrau. Denn wenn eines von Bestand in den beiden Leben von Nelly ist, ist es das Putzen. Mit dem Putzen verschafft sie sich Behaglichkeit und gewinnt Kontrolle über ihre Situation.

Der Roman thematisiert mehrere Gebiete: Armut und Wohlstand, das Rollenbild der Frau, das Verhältnis zur nachfolgenden Generation und Neuanfang und Resilienz.

Amelies Hauptfigur Nelly ist gründlich durchdacht und angelegt. Anfangs wirkt sie oberflächlich und stark abhängig von äußeren Statussymbolen, entwickelt jedoch im Laufe der Handlung eine glaubwürdige innere Stärke. Die Schwäche des Romans sind die Nebenfiguren. Auch wenn es Fried gelingt sie durch unterschiedliche Herausforderungen (die jüngste hat zum Beispiel Dyskalkulie) verschieden zu zeichnen, bleiben sie über weite Strecken farblos.

Amelie Fried schreibt in flüssigen Stil, der manchmal auch als redundant bezeichnet werden darf. Dadurch versucht sie sich an der Balance zwischen Unterhaltung und Tiefgang, der den Roman auch für ein breiteres Publikum attraktiv machen könnte.

Amelie Frieds „Eine von uns“ (ISBN: 978-3-453-27582-9) ist bei Heyne erschienen und kostet 18,00 Euro

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert