Beim Lesen kann man sich für’s Schreiben schulen. Manchmal gefallen einem der Stil insgesamt, die Personenschilderung, die Dialoge so sehr, dass man beginnt einen Autor nachzuahmen.
Aber auch aus
dem umgekehrten Weg lässt sich lernen. Der Schriftsteller Joseph O’Connor beschreibt einen seiner Lernprozesse wie folgt: “... und schrieb die Geschichte Wort für Wort ab ,.. bloß um zu fühlen wie das war, solch schöne Sätze zu schreiben ... Ich schrieb sie Woche für Woche ab. Und ich entdeckte, dass ich den Namen der Hauptfigur ändern konnte. In den nächsten drei Jahren änderte ich Namen, Ort, eine Zeile im Dialog oder eine Beschreibung, und jedes Mal wurde die Geschichte ein
Prozent weniger McGahern und ein Prozent mehr O’Connor. Irgendwann kippte der Prozentsatz, es waren 51 Prozent ich und 49 Prozent McGahern, aber ich machte immer weiter ...“ (Joseph O’Connor: „Bob Dylans Wunder“ in: “Mein erstes Buch“, hrsg. von Hans Jürgen Balmes, Fischer-tb, Frankfurt a.M. 2002; S. 57)
Aufgabe:
Sucht euch eine Kurzgeschichte und nehmt euch Zeit, sie gründlich zu lesen und euch in sie hinein zu versetzen!
Überlegt, als wolltet Ihr ein Gericht verfeinern, welches Element Ihr zuerst in welche Richtung verändern wollt und was mit diesem Element gemeinsam verändert werden muss.
Schreibt diese erste Veränderung auf und lasst sie auf euch wirken.
Überlegt nun neu, was ihr noch verändern könntet!
Schreibt die Geschichte wieder neu!
Wiederholt das, so lange ihr wollt. Wichtig ist, dass Ihr nach dem Schreiben immer etwas inne haltet und überlegt, welche Bedeutung die Veränderung für euch und für die Geschichte hatte. So könnt Ihr euren Weg des Schreibens verfolgen. |